Das Anschuss Seminar vom Jagdkurs Segeberg am 31.5.2026
Wieder war es so weit:
Der Tannenhof Schönmoor öffnete seine Türen für das mittlerweile fest im
Kalender verankerte Anschuss-Seminar. Als Referent stand erneut Marcel
Zickermann bereit, akademischer Jagdwirt, erfahrener Schweißhundführer
mit 37 Jahren Jagdpraxis, gelernt von einem Förster und
Schweißhundführer der alten Schule – Marcel ist ein Mann der klaren
Ansagen, und davon hatte er reichlich im Gepäck.
Der Vormittag: Theorie mit Tiefgang
Der theoretische Teil war alles andere als trocken. Marcel führte die
Gruppe mit Zahlen, Fakten und Erlebnissen aus seinen vielen Einsätzen
durch ein breites Themenfeld: Wie verhält sich Rehwild nach einem
Kammerschuss – und warum können daraus Fluchtstrecken zwischen 20
und 500 Metern werden? Warum ist ein Laufschuss so tückisch? Was
sagen Telemetriedaten über Rotwildhetzen aus?
Besonders eindrücklich: die Zahlen zu Schwarzwild, Reh-, Dam- und
Rotwild im Vergleich. Schwarzwild liegt bei Kammerschüssen klar vorne,
Rehwild macht durch seine Neigung zu Kreisen und Haken schlagen die
Nachsuche auf kleiner Fläche komplizierter als erwartet. Dazu kamen
Themen wie Waffenhandhabung, bleifreie Munition und die rechtlichen
Grundlagen der Wildfolge.
Dass man den Hund erst schnallen sollte, wenn man das Wild oder ein
frisches Wundbett sieht, gehörte zu den praktischen Punkten, die Marcel
unmissverständlich betonte. Und: ein Nachsuchengespann anzurufen ist
keine Niederlage, sondern eine Frage des Tierwohls.
Der Nachmittag: Praxis, die unter die Haut geht
Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es nach draußen. Marcel hatte
am frühen Morgen verschiedene Anschuss-Szenarien vorbereitet –
Trockene Laufschüsse, Kammerschüsse, Situationen mit wenig oder gar
keinem Schweiß.
Die Aufgabe: Pirschzeichen finden, Anschuss beurteilen, die Situation
einschätzen.
Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Selbst markierte
Bereiche entpuppten sich als Suchaufgabe, bei der die Gruppe mit ihren
Augen ordentlich ins Schwitzen kam. Haare, kleinste Knöchelchen, ein
Hauch von Schweiß – das ist alles, was ein Reh hinterlässt, das nur knapp
über dem Gelenk getroffen wurde. Dazu Sonne und Ameisen, die in kurzer
Zeit ganze Arbeit leisten.
Was bleibt: Das Gefühl für das, was draußen wirklich passiert, wenn der
Hochsitz verlassen ist und man 100 Meter vom Abgabeort des Schusses
entfernt im hohen Gras steht.
Fazit
Das Seminar hat einmal mehr gezeigt, dass Schuss und Nachsuche zwei
Seiten derselben Medaille sind. Wer gut schießt, hat noch lange nicht
gewonnen – wer die Zeit danach richtig nutzt, den Anschuss sauber sichert
und im Zweifel früh ein anerkanntes Gespann hinzuzieht, der handelt
waidgerecht.
Wir danken Marcel Zickermann für einen lehrreichen und kurzweiligen Tag.
Iris Mohr, Teilnehmerin des Seminars und Jungjägerin
